Wie das so ist, ändern sich Pläne und so wurde aus dem Ziel Türkei, das Ziel Pyrenäen.

Nach 4 Tagen trennte ich mich von meinem Reisepartner. Wir waren uns einig, ich war zu langsam, er war zu schnell...
In den ersten 4 Tagen ging es im Eiltempo durch die Schweiz, in die Alpen Richtung Tour des Grandes Alpes nach Frankreich.
Da ich so gehetzt wurde, konnte ich leider kaum Fotos machen und auch nicht wirklich die Umgebung auf mich wirken lassen, was mich schon bald ziemlich genervt hat.


Am vierten Tag hatte ich nur keine Lust mehr zu reden, sondern auch nicht mehr von Morgens bis Abends zu rasen und hatte angefangen mir Zeit zu lassen.
Endlich alleine! Im ersten Moment verspürte ich zwar ein beklemmendes Gefühl, da nun alleine in einem fremden Land und ganz auf mich gestellt. Aber als ich mein Motorrad gepackt hatte und die ersten Kilometer gefahren war, verschwand dies allmählich und ist auch während meiner ganzen Reise nicht wiedergekehrt.
Endlich konnte ich so langsam fahren und so oft anhalten wie ich wollte, Fotos schießen oder mir einfach nur die Gegend anschauen.
Unterwegs traf ich ständig interessierte Menschen. Einen Motorradsfahrer aus Israel, der ganz wild darauf war mit mir ein Foto zu machen, 5 Bayern die ich zuerst in Lourdes traf und dann auf dem Col d'Aubisque, einem englischen Pärchen die mich vor lauter Freude über eine Motorradfahrerin (da selbst Motorradfahrer, aber nur in England) fragten, ob sie mir ein kaltes Bier aus England spendieren dürfen oder einfach nur Franzosen, die mich interessant ansprachen. Von den Franzosen bin ich wie immer einfach nur begeistert ... freundlich, hilfsbereit und immer gut drauf.
Am ersten Tag besorgte ich mir eine Karte von den Pyrenäen, bin dann entspannt an das Mittelmeer nach Sete gefahren, habe mich dort erstmal von den vergangenen Stresstagen am Meer erholt und meine Route für den nächsten Tag festgelegt, wer braucht schon ein GPS...

Wenn ich an die letzten Tage denke, kann ich nicht verstehen wie man von Morgens bis Abends mit Tempo 100 durch die Gegend rast, zwischendurch noch schnell Beweisfotos macht und sich dabei angeblich auch noch entspannt. Ganz davon abgesehen, dass man so doch gar nicht wirklich was von der Gegend mitbekommen kann... aber vielleicht ist ja auch meine Wahrnehmung anders...
Die Ziele meines ersten Tages waren Lagrasse mit einer fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtstruktur und Carcassonne, eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Festungsstadt Europas. Davor wollte ich aber noch einen Abstecher nach Afrika machen, war aber leider nur mit dem Auto, nicht mit dem Motorrad erlaubt ... Schade!

Lagrasse ist ein kleines süßes Dörfchen, das noch nicht so vom Tourismus überrollt wurde:



Carcassonne war mir schon wieder zu touristisch, deshalb schaute ich mir die Festung morgens um 8 Uhr an, ohne die Menschenmassen:


Danach ging es Richtung Pyrenäen:


Die dünne Luft macht sehr müüüüüde ...


... und ganz relaxt ... immer schön langsam fahren...

Col du Tourmalet, höchster Straßenpass der franz. Pyrenäen: Wer tut sich so etwas an??? Von diesen Bikes gab es nicht wenige, da waren bestimmt auch einige dabei, die für die anstehende Tour de France trainiert haben ...

Le Geant de du Tourmalet:

Weiter ging es ...


... zum Wallfahrtsort Lourdes, dort wollte ich mir die Grotte ansehen, in der Bernadette Soubirous ihre Marienerscheinung hatte. Also für meinen Geschmack wird Lourdes ganz schön vermarktet und nachdem die Erscheinung bei mir ausblieb, habe ich gemacht dass ich da wieder weg komme. Ich schloss mich dann Georg und seinen Freunden an, 6 Biker aus Bayern, die mich mit aus der Stadt lotsten (manchmal ist ja ein GPS doch nicht so schlecht ...). Die Jungs traf ich dann später auf dem Col d'Aubisque wieder.
Die Grotte von Massabielle:

Zur Entspannung ging es dann erstmal wieder Richtung Pässe.
Col du Soulor (1747 m):

und weiter zum Col d'Aubisque (1704 m) ...

da war das Highlight ... natürlich ... ICH!

Und weiter gings:


Am nächsten Tag wartet Natascha und ihr Motorrad einen halben Tag auf den ADAC ... ICH WAR ES DIESMAL NICHT! Auf der Suche nach einem Geldautomat, sehe ich wie ein PKW beim rückwärts ausparken, leicht mein Vorderrad antippt ... Ich denke noch "nichts passiert"... Auto fährt weg... Motorrad fällt um... Kupplungsgriff abgebrochen. Wäre ja nicht so schlimm. Als ich wieder los fahren will, merke ich Schalthebel verbogen, kann nicht mehr schalten. Na ja, was soll's, wollte wieso ein bisschen Farbe bekommen, also runter mit den Motorradklamotten und 3 Stunden im Park gewartet.

Bitte einmal ganz schnell reparieren ...

Um 16 Uhr war ich dann endlich wieder auf der Straße, viel hatte ich mir für diesen Tag nicht mehr vorgenommen.
Bin gemütlich kleine Nebenstraßen gefahren ...

und schaute mir eine der vielen Dolmen (Begräbnisstätten) an ...

Zum Abschluss ging es nochmal einen kleinen Schotterweg nach oben ...

Diesmal war das Highlight nicht ich ... sondern mein Motorrad ...

Hier oben muß es den Pferdchen echt langweilig sein, denn es dauerte nicht lange und die Neugier siegte ...

... und dann hatten alle die gleiche Idee ... könnte man ja mal probieren ... "mhhh, hauptsache grün" ...

... so ein Blinker schmeckt auch nicht schlecht ...

... da die Pferdchen wirklich ziemlich aufdringlich wurden, beschloss ich, doch lieber wieder schnell loszufahren ... musste dazu aber erstmal mein Motorrad wieder befreien und habe dabei gehofft, dass die deshalb nicht wütend werden, die waren nämlich ganz schön groß ... trotzt schlechten Start an diesem Tag, hatte ich heute wirklich meinen Spaß.

Am nächsten Tag fuhr ich zur Dune de Pylar, der größten Düne Europas bei Archacon.

Da ging es natürlich zuerst rauf auf die Düne ...

Rauf ist es ja noch einfach, aber an das Meer zu kommen ...

dummerweise hatte ich mir nicht gemerkt, wo ungefähr die Leiter war. Habe die Düne überquert (ca. 500 m) und mir wieder einen Weg runter ans Meer gesucht (ca. 117 m, ohne Leiter). Das Meer hatte ich dann so gut wie für mich alleine, da Nebensaison ... na ja, und nicht jeder macht sich die Mühe über die Düne zu krabbeln, habe ich dann auch nur einmal gemacht.

Nach 2 Stunden Spaziergang am Meer, fiel mir dann ein "Mist du musst da ja wieder hoch ... und wo ist die Leiter? Hast du dir auch nicht gemerkt ..."
Habe mich dann wieder hochgekämpft und irgendwann fix und fertig auch wieder die Leiter runter zum Campingplatz gefunden. Das ganze habe ich mir dann auch nur einmal angetan ... Der Muskelkater in den Waden hielt dann auch 3 Tage an ...

Dann noch einen kleinen Abstecher nach Arcachon ...

Nach 2 Tagen Entspannung auf dem Campingplatz hatte ich dann auch genug und es hat mich wieder weiter gezogen.
Meine Reise ging weiter nach Bordeaux, dann in Richtung Südfrankreich in die Region Aquitanien, bekannt für viele prähistorische Ausgrabungen, Höhlen und Grotten. Das wollte ich mir natürlich anschauen.

Meine erste Grotte war St. Cirq mit ca. 17.000 Jahre alte Gravuren von Pferden, Bisons und Steinböcken.
Ungewöhnlich ist eine Menschendarstellung, die wohl zu dieser Zeit selten vorkam.

Danach wollte ich mir natürlich noch eine Höhle mit Tiermalereien (Bisons, Wildpferde und Mammuts) ansehen und entschied mich für die Grotte Fond de Gaume. Es ist die einzige Höhle, die Besucher noch anschauen dürfen und zum Glück war ich schon eine Stunde vor Eröffnung da, so war ich eine der ersten Besucher von max. 200 an diesem Tag.

Also ich muss schon sagen, sehr beeindruckend ...vor allem, weil der Maler die Felsformen mit in der Zeichnung verwendet hat, um im Fackelschein, optische Täuschungen zu erzeugen ... kaum zun glauben das der Maler ein Höhlenmensch war ... leider gab es keine Nachahmungen zum abfotografieren, da in der Höhle selbst nicht erlaubt ...
Auf meinem letzten Campingplatz bekam ich den Tipp, mir das Städtchen Sarlat la Caneda mit einem mittelalterlichen Stadtbild aus dem 13. bis 16. Jahrhundert anzuschauen. Ich kann nur sagen, der Tipp war es wert ...

Langsam trete ich meine Heimfahrt an. Auf meiner Karte ist groß der Vulkan PUY de DOME (1465 m) gekennzeichnet, den schaue ich mir natürlich auch noch an.

Nach Alpen und Pyrenäen fand ich den Puy de Dome etwas enttäuschend. Die ca. 6 EUR die ich bezahlen musste, um hinauffahren zu dürfen, hätte ich mir auch sparen können.
Blick auf erloschene Vulkane:

Interessant sind aber die Überreste des Merkurtempels, den man während Bauarbeiten fand:

Mein letzter Tag in Frankreich...


Da musste ich wirklich zweimal hinschauen ... tse tse tse, die lassen sich aber auch immer neue Tricks einfallen, ob das wirklich Niemand merkt... ???

Aber die Tarnung ist an manchen Stellen aufgeflogen...

Und in Deutschland erstmal mitten auf der Autobahn von einem Regenschauer erwischt ... meine Regensachen hatte ich natürlich nicht an.

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